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Das LF 6×6 Hinterschiffl → der Kleine mit 3 Achsen

Es war und ist ein außergewöhnliches Löschfahrzeug, dass die Freiw. Feuerwehr Hinterschiffl in der oberösterreichischen Gemeinde Julbach in ihren Fuhrpark stehen hat: Ein Dreiachs-Löschfahrzeug mit 6×6 Antrieb.

2012 war es, als ich die Fotostory zu diesem Fahrzeug – die im Anschluss an die Bilder hier nachzulesen ist – gemacht habe. Trotz Spiegelreflexkamera war es noch die Zeit, wo ich mit JPG-Format werkte (ja, ich weiß …) :-).
Einen überwiegenden Teil der Aufnahmen habe ich nun hier reingestellt.

Der nachfolgende Artikel entstand im Sommer 2012. Sie erschien im Feuerwehrmagazin sowie im Brennpunkt.

Erstes, neues LF-A 6×6 im Einsatz

Der Kleine mit drei Achsen

Zwei Achsen und im Regelfall dreieinhalb bis fünfeinhalb Tonnen schwer – so die Eckdaten der meisten Kleinlöschfahrzeuge. Im oberösterreichischen Mühlviertel hat die Freiwillige Feuerwehr Hinterschiffl Zuwachs bekommen. Zuwachs, der nicht nur aus einem neuen Fahrzeug besteht, sondern Zuwachs auch an Gewicht und Achsen. Der Prototyp eines Löschfahrzeuges (LF-A6x6) aus dem Hause Rosenbauer versieht dort seit einiger Zeit seinen Dienst. Anlass genug, den Neuling unter die Lupe zu nehmen.

„Für die Reportage fahren wir am besten in den Steinbruch hinauf“, so der Gerätewart der Freiwilligen Feuerwehr Hinterschiffl, Christian Simmel. Er hält den Dreiachser-Sprinter an, legt einen kleinen Gang ein und schon schiebt sich der gemeinsame Prototyp der oberösterreichischen Firmen Oberaigner und Rosenbauer einen kleinen, schmalen und steilen Schotterweg durch den Wald hinauf. Und vom Gefühl her sitzt man wie in einen herkömmlichen Mercedes Sprinter – so die Ausgangslage für den vorliegenden Artikel zu einem Fahrzeug, das vom ersten Moment an beeindrucken konnte. Aber der Reihe nach.

Nachfolger zum legendären Pinzgauer

Die Firma Oberaigner aus Nebelberg ist nicht nur autorisierter Mercedes-Benz Servicepartner und Verkaufsagent für Pkw und Transporter, sondern hat sich auch auf Allradtechnik spezialisiert. Der Betrieb war vor einiger Zeit aufgrund der Nachfrage auf der Suche nach mehr oder weniger einem Nachfolger für den legendären Pinzgauer. Zu diesem Zweck wurde ein Mercedes Sprinter Fahrgestell herangezogen. Dieses wurde – einfach formuliert – mit einem verstärkten Rahmen versehen. Zusätzlich baute man einen neuen Antriebsstrang und bereicherte das Fahrzeug um eine Achse. Der ebenfalls in Oberösterreich beheimatete Rosenbauern-Konzern zeigte an dem neuen 6×6 Fahrgestell Interesse und baute darauf einen Prototyp für ein Löschfahrzeug auf. Kurz einmal war davon in den Fachmedien zu lesen, jedoch wurde es genauso rasch wieder ruhig darum.

Zufall half bei der Suche

Die FF Hinterschiffl ist eine von zwei Feuerwehren in der landwirtschaftlich geprägten Mühlviertler Gemeinde Julbach im Bezirk Rohrbach. Auf 22 km2 leben 1.600 Menschen, wovon 76 (inklusive Jugend und Reserve) ihren Dienst in der Hinterschiffler Feuerwehr versehen. Die jährlich rund 20 technischen Hilfeleistungen und fünf Brandeinsätze wurden bislang mit einem Kommandofahrzeug (VW T4 mit Hochdach) sowie einem Kleinschlöschfahrzeug (VW LT 35) bewerkstelligt. „Aufgrund des Alters und des technischen Zustandes erreichte unser KLF langsam seine Nutzungszeit, so dass wir damit begonnen haben, uns auf die Suche nach einem Ersatzfahrzeug zu machen“, erklärt Kommandant Franz Koblbauer. „Mehrere Hersteller wurden dafür mit verschiedenen Fahrzeugen in Betracht gezogen bzw. bereits auch diverse Modelle besichtigt und getestet“. Mehr oder weniger ein Zufall war es dann, dass man auf einen Neuling in der Branche aufmerksam geworden ist. „Das Gute liegt so nahe“ heißt ein Sprichwort, dass sich auch bei der Feuerwehr Hinterschiffl bewahrheiten sollte. „Über gute Kontakte aus unserer Feuerwehr konnten wir in Erfahrung bringen, dass bei der Fa. Oberaigner, die in der Nachbargemeinde angesiedelt ist, ein LF 6×6 als Vorführfahrzeug zu haben sei“, schildert Kommandant Koblbauer“. „So traten wir unverzüglich mit dem Hersteller in Kontakt und wurden uns einig. Nach einigen praktischen Tests war die Beschaffung des Fahrzeuges als Ersatz für das alte KLF beschlossen“. Auch für Oberaigner sowie für Rosenbauer kam dieser „Nachbarschafts-Deal“ nicht ungelegen, steht der auch für weitere Feuerwehren und zahlreiche anderen Organisationen im In- und Ausland interessante Prototyp somit für Besichtigungs- und Demonstrationen in Reichweite. Seit Herbst versieht der 6×6 somit bei der Feuerwehr im Dienst, wurde jedoch erst Mitte August 2012 mit der Segnung übernommen.

184 PS mit vier Differentialsperren

Aufgebaut ist das Löschfahrzeug auf einem Oberaigner 718 CDI 6×6 mit einer Motorleistung von 184 PS / 135 kW nach Euro 4 und sechs manuellen Schaltgängen. „Der 3-Achser hat ein wesentlich ruhigeres Fahrverhalten und ist während der Fahrt sehr stabil“, erklärt Gerätewart Christian Simmel. „Wir haben auch andere Fahrzeuge getestet, welche meist jedoch ein deutliches Schwimmverhalten auf der Straße zeigten. Das fehlt hier komplett. Auch die Geländegängigkeit, welche das Löschfahrzeug beispielsweise bei zwei Forstunfällen im letzten Jahr unter Beweis stellen konnte, spricht für sich“, so der Feuerwehrmann weiter. Mitverantwortlich dafür zeigt sich die auch die Doppelpendel-Aufhängung der einfach bereiften Hinterachse. „Vier Differentialsperren sorgen optimale Fahreigenschaften auch bei schwierigen Straßen- bzw. Geländebedingungen“ ist Feuerwehrmann Stefan Eggerl stolz auf den 6×6 und erklärt die möglichen Schaltungen für die Geländeübersetzung, den permanenten Allradantrieb bzw. die Längs- und Querdifferentialsperre, wo schlussendlich fünf der sechs Räder des 7-Tonners angetrieben werden. Leer bringt das Löschfahrzeug dreieinhalb Tonnen auf die Waage. Mit Beladung und der Besatzung von 1:8 wird das höchstzulässige Gesamtgewicht um rund 50 kg unterschritten. „Die gesamte Last von 6.950 kg Einsatzgewicht verteilt sich übrigens im Verhältnis von 60:40 auf die zweite Achse, was vor allem bei Kurvenfahrten von Vorteil ist“, ergänzt der Gerätewart. „Ein paar Pferdestärken mehr würde ich persönlich ebenso auf die Vorteilsliste setzen.“

CAFS am Bergeschlitten (linker Geräteraum)

„Die Ausstattung des Löschfahrzeuges entspricht grundsätzlich der Normausstattung gemäß den Richtlinien des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes“, schildert Kommandant Koblbauer. „Das heißt, es befinden sich die Standardausrüstungsgegenstände für einen Löschangriff sowie technisches Alltagsgerät im Fahrzeug.“ Aufgrund der Einsätze der Vergangenheit sowie der Aufstellung der Alarmpläne – die Region hat, um Personalengpässe in den Pendlergemeinden zu vermeiden, in Zusammenarbeit mit dem Bezirks-Feuerwehrkommando Rohrbach sehr kooperative Ausfahrtsordnungen erstellt – wurden jedoch ausrüstungstechnisch noch Modifikationen vorgenommen. „Der linke Geräteraum enthält neben den wasserfördernden Hilfsmitteln wie Schläuche, Verteiler, Strahlrohre etc. auch einen ausziehbaren Schlitten. Darauf befinden sich wahlweise entweder ein hydraulisches Rettungsgerät oder wechselweise eine CAFS-Anlage mit 50 Litern. Letztere wird mit A3F Schaummittel – einprozentig zugemischt – betrieben“, erklärt der Feuerwehrchef die zusätzliche, welche in einem herkömmlichen Löschfahrzeug ansonsten nicht zu finden ist.

Absenkbarer Stromlieferant (rechter Geräteraum)

Auch der rechte Geräteraum ist mit weiteren wasserführenden Armaturen bestückt, jedoch auch das Herzstück der Energieversorgung. Das 14 kVA-Notstromaggregat ist nach dem Herausziehen pneumatisch absenkbar und dadurch leichter zugänglich. Es liefert auch die notwendige Energie für die vier Scheinwerfer des Einbau-Lichtmastes mit jeweils 1.000 Watt und die Umfeldbeleuchtung. Generell wurde jedoch auf möglichst niedrigen Energieverbrauch während des Einsatzes geachtet, so dass alle Beleuchtungseinheiten aus LEDs bestehen. „Des Weiteren haben wir einige technische Zusatzgeräte, die bei einem Löschfahrzeug ansonsten nicht im Beladeplan vorgesehen sind, ergänzt. Dabei handelt es sich um Unfalleinsatz-Kleinutensilien wie eine kleine Glassäge, ein Fuchsschwanz oder auch ein Spinboard. Letzteres ist am Dach in einer eigenen Box untergebracht“, schildert der Kommandant.

Absenkbare Tragkraftspritze (Heckraum)

Wie das Notstromaggregat ist auch die Tragkraftspritze, eine Rosenbauer Fox, pneumatisch absenkbar und erleichtert der Mannschaft somit die Entnahme des Gerätes aus dem Heckraum des 6×6. Aufgrund der technischen Hilfeleistungen auf den Verkehrswegen wurde auch eine weithin sichtbare Verkehrsleiteinrichtung installiert. Eine Auszugswand links neben der Tragkraftspritze bietet noch zusätzlichen Stauraum, an dem auch ein Hydrofix-Löscher montiert ist. „In der oberen Ausziehlade befinden sich Utensilien wie Schaufel, Besen, Spitzhacke, Bolzenschneider auch diverses Werkzeug“, erklärt Stefan Eggerl. Über die Aufstiegstreppe erreicht der Feuermann auch das Fahrzeugdach, wo in einer Kiste neben Kleinmaterial und Feuerpatschen auch eine Korbschleiftrage vorgehalten wird.

Mannschaftsraum

Last but not least erklärt Gerätewart Christian Simmel den Mannschaftsraum. Dieser ist für eine Stärke von 1:8 ausgelegt und für drei Atemschutzgeräteträger ausgestattet. „Im Stauraum unter der Sitzbank haben wir neben fremdluftversorgten Fluchthauben noch ein mitlaufendes Abseilgerät, ein Hygieneset, Absperrmaterial und eine Erste-Hilfe-Ausrüstung vorrätig“.

Resümee

Die ersten Erfahrungen mit dem 6×6 sind ausgezeichnet. Nicht umsonst erhält die Feuerwehr Hinterschiffl viel Besuch von Interessierten. Vor allem Feuerwehren aus bergreichen Gegenden, aber auch andere Organisationen werfen ein Auge auf den Prototypen. Es ist abzusehen, dass dieses Fahrzeug schon in naher Zukunft öfters zu sehen sein wird.

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